Eine Frau kauft einen kandierten Apfel am belebten Time Square und schlendert umher. Schließlich beschließt sie die Bombe in ihrem Rucksack an einer Fußgängerampel zu zünden...
Die Regisseurin Julia Loktev wagt sich in ihrem ersten Spielfilm an ein Sujet, dem unsere Gesellschaft ratlos und ängstlich gegenüber steht. Ihre Protagonistin ist Selbstmordattentäterin, die kurz vor der Vollendung ihrer Mission steht. Die unscheinbare Frau wird von Komplizen in einem Motel in New York untergebracht und umsorgt. Akribisch hält die Kamera das weitere Geschehen der zwei Tage fest, die die Frau dort zubringt. Es entsteht Nähe und doch bleibt eine unüberwindbare Distanz.
Wir erhalten einen tiefen Einblick in ihre Privatsphäre und erfahren dennoch nichts über ihre Beweggründe. Julia Loktev zeigt die Vorbereitung und Ausübung eines Selbstmordattentats auf eindringliche Weise, ohne jedoch eine Wertung oder Erklärung zu liefern.
Die Kommunikation zwischen Zuschauer und filmischen Geschehen basiert auf dem intimen Blick der Kamera vor allem auf Luisa Williams. Ihr bleiches Gesicht mit den großen Augen verrät uns, was niemand ausspricht: Überzeugung, aber auch Angst.
Alle drei Filme des Fokus „Amerikanische Nächte“ („Shotgun Stories“, „Day Night Day Night“ und „Wendy and Lucy“) sind zu einem Zeitpunkt entstanden, in dem es nicht bloß die Terroranschläge vom September 2001, sondern auch deren Konsequenzen und das heißt vor allem einen immensen Rechtsruck der eigenen Regierung, den zweiten Krieg mit dem Irak und den Sturz des Talibanregimes in Afghanistan zu reflektieren galt. Dieses Klima einer ständigen Bedrohung von Innen wie Außen, das stets die Frage nach den Grundlagen menschlichen Zusammenlebens mit sich führt, thematisiert auch „Day Night Day Night“.
geschrieben von: jg am Montag, 18. Januar 2010, 19:10 Uhr
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