PEGASUS PRÄSENTIERT: 14+:
Lebensstile und Lebenswelten
Pegasus ist ein Jugendfilmclub, der an das Kommunale Kino Konstanz
(Zebra-Kino)
angeschlossen ist. Wie für das Zebra-Kino insgesamt, gilt auch
hier,
dass
jeder, der Lust auf Kino und Interesse am Film hat, mitmachen kann.
Pegasus hat im Zebra die Aufgabe übernommen, ein
eigenständiges
Kino-Programm
für Kinder und Heranwachsende zu gestalten. Dafür
stehen immer der
zweite
Sonntag im Monat (für 14+) und der vierte Sonntag
(für den Kinderfilm)
zur
Verfügung.
14+: Lebensstile und Lebenswelten
ist eine neue Film-Reihe, die Weichenstellungen im Leben von
Jugendlichen und
jungen Erwachsenen thematisiert. Obwohl teenager für die
Filmindustrie
die
wichtigste Zielgruppe sind, gibt es
verhältnismäßig wenige Filme, die
ein
spezielles Augenmerk auf diese Gruppe richten.
Für viele Jugendliche ist die Kindheit bereits vorbei, bevor
sie auch
nur
annähernd die Volljährigkeit erreicht haben.
Für andere hält das Leben
Konflikte bereit, die ihren Mitmenschen verborgen bleiben. Oftmals
schauen
diese einfach nur weg. Wieder andere leben gefangen in kulturellen
Konventionen.
In den Filmen, die hier gezeigt werden, kollidiert der Entwurf des
eigenen
Lebens mit all seinen Träumen, Wünschen und Ideen mit
Widerständen, die
die
Lebenswelt in Form von Gewalt, Ignoranz oder Ungerechtigkeit
bereithält. Aber
auch mit Armut, Überforderung, falschen Freunden, leeren
Versprechungen
und
nicht zu vergessen den Versuchungen des Lebens. Wenn in vielen
Fällen
die
Träume und Visionen, die unweigerlich zur Jugend
gehören, auf der
Strecke
bleiben, nehmen unsere ‚jungen Helden’ das nicht
kampflos hin und nicht
immer
sind sie dabei nur die Opfer.
Die Reihe 14+ ist ein offenes Konzept, in dem die Filme so flexibel wie
möglich
und unter Berücksichtigung von Vorschlägen von
außen beschlossen
werden. Die
Reihe startet am 12. Februar mit Evil (Ondskan) von Mikael
Hafström.
Wir bieten Ihnen an, falls die Filme für sie von Interesse
sein
sollten, dass
sie mit dem Zebra-Kino Sondervorstellungen für
Schüler vereinbaren
können. Für
alle Filme dieser Reihe beträgt der Eintritt 2 Euro
für Jugendliche, 3
Euro für
Erwachsene.
Am Ende kommen Touristen
D
2007; 85 MIN; REGIE: ROBERT THALHEIM; MIT: ALEXANDER FEHLING, RYSZARD
RONCZEWSKI U.A.; FSK: OHNE ALTERSBESCHRÄNKUNG;
PRÄDIKAT »BESONDERS
WERTVOLL«
Zivildienst in einer Begegnungsstätte in Polen? Das stand auf
Svens
Wunschliste nicht ganz oben – war aber die einzig freie
Stelle, die er
noch bekommen konnte. In Oswiecim, dem Ort, der unter seinem deutschen
Namen Auschwitz traurige Berühmtheit erlangte, soll sich Sven
um den
eigenwilligen KZ-Überlebenden Krzeminski kümmern.
Als Sven auf die polnische Dolmetscherin Ania trifft und sich in sie
verliebt, lernt er ein
Leben jenseits der Begegnungsstätte kennen. Aber wie sieht ein
normales
Leben an einem Ort aus, an dem nichts normal ist? Wo
Fettnäpfchen,
Vorurteile und Tabus auf der einen Seite und
Gedenkstätten-Tourismus
auf der anderen Seite lauern? Als Ania sich für ein Stipendium
in
Brüssel bewirbt, beschließt Sven alles
hinzuschmeißen.
Mit gepackten Koffern steht er am Bahnhof. Doch am Ende kommen
Touristen, wie jeden Tag, und Sven muss sich entscheiden.
Mit Am Ende kommen Touristen ist Regisseur Robert Thalheim ein
einfühlsamer Film über das Leben zwischen
Zukunftsträumen und der
Konfrontation mit der Geschichte gelungen. Mit einem sicheren
Gespür
für menschliche Sehnsüchte und Ängste,
erzählt er eine Liebesgeschichte
aus dem neuen Europa. (bk)
Spieltermin: 31. Januar 2010
Knallhart
Deutschland 2004; 99 Min.; Regie: Detlev Buck; Buch: Zoran
Drvenkar, Gregor Tessnow nach dem gleichnamigen Jugendoman von Gregor
Tessnow;
D: David Kroß, Jenny Elvers Elbertzhagen, Jan Henrik
Stahlberg, Erhan
Emre
FSK: ab 12, FBW: „besonders
wertvoll“
Für den 15-jährigen
Michael ist das schöne Leben
in der
Villa im Berliner Stadtteil Zehlendorf vorbei. Der neureiche Dr. Peters
(Jan
Henrik Stahlberg) hat genug von seiner Geliebten (Jenny
Elvers-Elbertzhagen)
und setzt sie zusammen mit ihrem Sohn vor die Tür. Eine neue
Wohnung,
ein neuer
Stadtteil: Neukölln, sozialer Brennpunkt, hohe
(Jugend-)Kriminalität.
Prompt gerät Michael,
Polischka genannt, an die
falschen
Leute. Er wird von Erol und seiner Gang brutal zur Zahlung von
Schutzgeld
gezwungen. Um dieses aufzutreiben, bricht Polischka mit zwei Freunden
in die
ihm vertraute Villa in Zehlendorf ein. Beim Verkauf der Beute trifft er
den
Drogendealer Hamal, der so etwas wie ‚der Pate’ des
Viertels ist. Hamal
ist
fasziniert von der vertrauens-erweckenden, unschuldigen Art des Jungen
und
stellt ihn als Drogenkurier ein, mit dem Effekt, dass Polischka nun vor
Erol
sicher ist.
„Knallhart“ sein
meint auf der Straße überleben,
immer in
Bewegung sein, unter Druck schneller als die anderen zu reagieren, am
besten
automatisch, ohne überhaupt nachdenken zu müssen. Was
der Film von dem
Jugendlichen als lebensnotwendige Aufgabe verlangt, verlangt er auch
vom
Zuschauer. Ab einem gewissen Punkt entfaltet der Film eine Sogwirkung
und ein
Tempo, in dem uns Polischkas ‚Härte’
voraus ist. Die Frage, was denn
nun das
beste wäre, wird von den Ereignissen überrollt. Keine
Zeit
innezuhalten. Uns so
kommt es, wie es kommen muss. Aber das wird hier nicht verraten.
Knallhart erhielt
bei der Verleihung des
deutschen
Filmpreises 2005 die silberne Lola, die goldene Lola für den
besten
Schnitt und
für die beste Musik. (peg)
Sonntag, 14. Oktober, 17.00 Uhr
Eintritt
für
Schüler: 2 Euro, für Erwachsene: 4 Euro
Thirteen (DF)
USA
2003, 100 Min.
Regie
und Buch:
Catherine
Hardwicke; mit: Holly Hunter, Evan Rachel Wood, Nikki Reed u.a.
FSK:
ab 12; besonders
wertvoll
Tracy
Freeland (Evan
Rachel Wood)
ist 13 und eigentlich ein ganz glückliches junges
Mädchen. Ihre Mutter
(Holly
Hunter) liebt sie, in der Schule gilt wird sie als klug und wird von
ihren
Lehreren geschätzt. Mit dem Beginn der Junior High wird sich
alles
ändern. Das
smarte, noch kindlich wirkende Mädchen empfindet sich als
braven
Streber und
will viel lieber als cool, sexy und furchtlos wahrgenommen werden. So
wie Evie
(Nikki Reed), das gleichaltrige, aber viel erfahrenere, von den Jungs
umschwärmte Supergirl der Schule. Um sie und ihre In-Clique zu
beeindrucken,
stylt sich Tracy um und beschert Evie durch gestohlene Kreditkarten
einen
traumhaften Shopping-Tag. Fasziniert ahmt Tracy nach, was ihr Vorbild
ihr
vorlebt. Durch Evie entdeckt sie Drogen, den Reiz von Piercings, die
Macht über
Jungs und schließlich das Geheimnis des Sex.
Tracy
verliert immer
mehr den
Bezug zur Realität. Sie rutscht ab, wird schlechter in der
Schule und
entfremdet sich rasend von ihrer natürlichen Umwelt.
Für Tracy wird das
Erwachsenwerden zur schmerzlichen Erfahrung, die bei ihr durch Evies
Einfluss
zur Selbstzerstörung führen wird, wenn niemand sie
aufhält…
Das
Regiedebüt von
Catherine
Hardwicke ist ein Coming-Of-Age-Drama fernab der Gelacktheit der
Hollywood-
oder Fernsehfamilien. In Thirteen zeichnet die
mutige
Filmemacherin ein
kompromissloses, ehrliches Porträt über die Jugend,
die sich dem
Erwachsenenwerden stellt. Was wie ein Spiel beginnt, beginnt schnell
auszuarten, führt zum Verlust jeglicher Kontrolle. Exzellent
spielend
überzeugt
das junge Duo Evan Rachel Wood und Niki Reed durch schonungslos offene
Darstellungen. Reed schrieb übrigens auch am Drehbuch von
Hardwicke
mit, was
dem Drama zusätzliche Authentizität verleiht.
sl
Sonntag,
23.
September, 17.00 Uhr
Eintritt
für
Schüler: 2 Euro, Erwachsene: 4 Euro
14+:
#11
(April 2007)
Sommersturm
(Marco Kreuzpaintner)
D 2004; 98 Min., FSK: ab 12
Wenn es im Sommer stürmt,
ist es windig und warm
zugleich.
Der Himmel verfärbt sich und ein letzter Moment der Ruhe
kündigt den
nahenden
Sturm an. Danach ist die Welt klar und rein. Der Film, um den es sich
hier
handelt, ist kein Film über Klimaerwärmung oder
Flutwellen, vielmehr
geht es um
einen ‚emotionalen’ Sturm. Ein Sommersturm
führt zu einem Bekenntnis,
das das
Leben von Tobi (Robert Stadlober) von Grund auf verändert.
Tobi
fährt mit seiner
Rudermannschaft ins Zeltlager. Dort bereitet sich das Team auf einen
großen
Wettkampf vor. Doch es geht nicht nur ums Rudern. Achim (Kostja
Ullmann), Tobis
bester Freund, hat nur noch Augen für Sandra, während
Anke (Alicja
Bachleda-Curus)
Tobi ihre Liebe gesteht. Der nachdenkliche Aussenseiter fühlt
sich
eigentlich
mehr zu Achim hingezogen und ist emotional mit dem
Liebesgeständnis des
hübschen Mädchens vollkommen überfordert.
Im
Ruderlager
angekommen stellt
sich heraus, dass statt einer Berliner Mädchenmannschaft nun
die
‚Queerschläger’ antreten, eine Mannschaft,
die – wie der Name sagt –
aus
Schwulen besteht. Die unerwarteten Gegner sorgen nun vollends
dafür,
dass Tobi
seine Orientierung verliert. Am Abend vor dem Wettkampf mit den Jungs
vom
anderen Ufer zieht ein Sturm auf.
„Sommersturm
findet die Balance zwischen
Tragik und Komik, zwischen großen Gefühlen und
kleinen, lustigen
Alltagsbegebenheiten. Und er schafft es, mit wunderschönen
Bildern ein
wichtiges Thema in einer unterhaltenden, berührenden
Geschichte zu
erzählen.“
(Jana Schäfer, www.fluter.de)
peg
14+:
#10 (März 2007)
My
summer of Love (GB 2004; 86 Min.)
Regie:Pawel
Pawlikowski; nach dem Roman „My
summer of Love“ von Helen Cross; mit: Natalie Press, Emely
Blunt, Paddy
Considine, u.a.
Yorkshine, in einem heißen Sommer
rollt Mona mit ihrem Mofa über eine Landstraße. Dort
trifft sie auf
Tamsin, die
auf ihrem Schimmel ausreitet. Die beiden gleichaltrigen
Mädchen stammen
jedoch
aus zwei verschiedenen Welten. Mona ist seit dem Krebstod ihrer Mutter
Weise,
ihrem Vater ist sie noch nie begegnet. Sie lebt mit ihrem
älteren
Bruder Phil
in einem örtlichen Pub. Doch sie fürchtet, auch ihn
verloren zu haben.
Tamsin
ist eine wohlerzogene Tochter aus gutem Hause. So unterschiedlich die
beiden
Mädchen jedoch sind, so spüren sie auch eine Art
Seelenverwandtschaft.
Die
beiden kommen sich emotional und schließlich auch
körperlich näher. Sie
schwören, die andere nie zu verlassen. Doch dann
enttäuscht Tamsin Mona
schwer.
My Summer of Love ist ein
„brilliant fotografiertes, hervorragend gespieltes
Jugenddrama, das die
Protagonistinnen
auf der Suche nach Wahrheit, Orientierung und Halt zeigt. Eine
wehmütige Ode an
den Schmerz der ersten Liebe.“
(Alexandra
Wach,
film-dienst 13/2005) (ih)
14+: #9 (Dezember 2006)
Crazy (Hans-Christian Schmid)
Deutschland
2000; 97
Min.
Der
halbseitig
gelähmte Benjamin (Robert Stadlober) hat nur
noch eine Chance, die Versetzung in die nächste Klasse zu
schaffen.
Dazu wird
er von seinen Eltern auf das renommierte Internat Neubauern geschickt.
Zum
ersten Mal ist er von zuhause weg und muss sein Leben selbst
organisieren. Er
fühlt sich zunächst alleine und
ausgestoßen. Doch trotz seiner
körperlichen
Behinderung wird er von der Clique seines Zimmernachbarn Janosch
aufgenommen.
Bald schon ist die Schule nur noch Nebensache. Pubertäre
Eskapaden und
die
Frage nach einem Platz im Leben wechseln sich ab. Die Jungen
unternehmen
nächtliche Ausflüge, gehen heimlich in ein
Striplokal, feiern Partys,
treffen
sich mit Mädchen und diskutieren über den Sinn des
Lebens.
Doch
dann verlieben
sich Benni, der Behinderte, und
Janosch, der Anführer, in dasselbe Mädchen. Mit allen
Mitteln versuchen
sie,
die Aufmerksamkeit der bezaubernden Malen zu erringen und buhlen ohne
Rücksicht
auf ihre Freundschaft um die Gunst des hübschen
Mädchens.
Der
17-jährige
Benjamin Lebert
beschrieb seine persönlichen Eindrücke des
‚Erwachsenwerdens’ in Crazy,
einem Buch, das für beträchtliches Aufsehen in der
Literaturszene
sorgte und
gleich in 33 verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Regisseur
Hans-Christian
Schmid adaptierte den Roman nur wenige Monate nach dessen Erscheinen an
den
Originalschauplätzen. Schmid hatte schon mit „Nach
fünf im Urwald“ und
„23“ ein
gutes Gespür für anspruchsvolles Jugendkino bewiesen.
Mit seinem
dritten
Kinofilm geht er diesen Weg konsequent weiter und wird ihn
später mit
„Requiem“
noch einen Schritt weiter gehen.
Der
Regisseur sagt
selbst:
"Crazy ist eine Geschichte über die Melancholie und die
gleichzeitige
Komik des Erwachsenwerdens. Eine Geschichte über die
Anstrengungen, die
Benjamin unternimmt, um einen Platz im Leben zu finden. Über
Enttäuschungen und
Rückschläge, aber auch über den
Spaß, den er dabei mit seinen Freunden
hat."
14+: #8 (November 2006)
Hwal - Der Bogen (Kim Ki-Duk)
Korea
2005; 90 Min.;
OmU
Korea,
der
Zivilisation den Rücken gekehrt, lebt ein alter
Fischer (Seong-hwang Jeong) und ein junges Mädchen (Yeo-reum
Han) auf
einem
Boot. Sie hat das Boot seit zehn Jahren nicht mehr verlassen. Im
frühen
Kindesalter hatte der Alte das Mädchen entführt und
an ihrem 17.
Geburtstag
will er sie zur Frau nehmen. Bis dahin sind es nur noch wenige Monate.
Das
Mädchen vertraut
ihm, fühlt sich geborgen und ist
naiv-glücklich in der kargen Welt, die der alte Mann
für sie geschaffen
hat. Um
Geld zu verdienen, wird das Boot an Angler vermietet. Diese zeigen des
öfteren
unverblümtes Interesse an dem Mädchen, doch Pfeil und
Bogen und der
meisterhafte Umgang des Alten damit schrecken jeden Verführer
ab.
Die
gemeinsame
Einsamkeit hat ein Ende, als unvermittelt
ein Student in die Harmonie von erschaffener Welt, Meer und Musik
einbricht.
Das Mädchen fasst immer mehr Zuneigung zu dem jungen Mann und
ihre
Neugierde
wird geweckt. Das durchkreuzt die Pläne des Alten und die
ohnehin
beklemmende
Situation draußen auf dem Meer beginnt zu eskalieren.
„Der
Bogen“ ist ein
Film über
Liebe und Schuld, über Macht und Ohnmacht zwischen
glückseliger
Einsamkeit und
erzwungener Liebe. Der Ziehvater ist zugleich Peiniger. Der Liebhaber,
der sie
retten will, zerstört das Märchen, das alles ist, was
sie hat. Während
dessen
wird das Mädchen vom Geschöpf zum Ich. Schmerzhaft
und schön bringt Kim
Ki-Duk
diesen Prozess auf die Leinwand. Entschieden setzt der Regisseur auf
eine
einfache, bildgewaltige Filmsprache mit stark reduzierter Narration.
Fürsorge
und Gewalt lösen sich schlussendlich ins Mythische auf.
14+: #7 (Oktober 2006)
Maria voll der Gnade (Maria, Ilena eres de gracia, Joshua
Marston)
Kolumbien/USA
2003;
101 Min.; DF
Der
südamerikanische
Drogenmarkt war zuletzt des öfteren
Schauplatz für imposante Filme (wie Steven Soderberghs
Episodendrama Traffic).
Doch werden meist die Drahtzieher in einer gewissen
Schwarz-Weiss-Malerei in
den Vordergrund gestellt. In diesem Film liegt der Schwerpunkt auf
einer jungen
Frau, die am Ende der ‚Arbeitskette’ steht, auf
einem ganz gewöhnlichen
Mädchen, das Drogen von Kolumbien in die USA schmuggelt.
Die
siebzehnjährige
Maria
(Catalina Sandino Moreno) arbeitet Tag für Tag für
einen
Hungerleiderlohn in
einer Blumenfabrik. Als sie von ihrem Freund Juan, den sie nicht liebt,
schwanger wird, stürzt sie in eine schwere Krise. Auf einem
Dorffest
lernt sie
den aus ihrer Sicht ungemein coolen Franklin kennen. Dieser nimmt sie
mit nach
Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens, und macht sie mit dem Drogenboss
Javier
bekannt. Der agiert mit väterlicher Freundlichkeit und gewinnt
trotz
Marias
Bedenken ihr Vertrauen. Das Vertrauen und die Chance schnell viel Geld
zu
verdienen bringt sie dazu, als ‚Maulesel’
für Javier zu arbeiten. Ein
‚Maulesel’ (oder auch
‚Schlucker’) ist ein Drogenkurier, der die Ware
in
Kapseln verpackt in seinem eigenen Körper schmuggelt. Eine
solche
Kapsel enthält
rund zehn Gramm Heroin oder Kokain. Ein durchschnittlicher Kurier
schluckt
dabei rund 80 bis 125 Kapseln und verdient mit einer Reise zwischen
5.000 und
8.000 Dollar, das mehrfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens
in
Kolumbien. So nutzen die Drahtzieher im Hintergrund die Notlage
mittelloser
Menschen aus und bleiben selbst anonym. Die Reise wird zu einer
leidenschaftlichen Erfahrung für Maria - aber auch zur
Herausforderung,
ein
neues Leben zu beginnen.
14+: #5 (Juni 2006)
Napola - Elite für den Führer (Dennis
Gansel)
Deutschland
2005; 110
Min.
‚Nationalpolitische Erziehungsanstalten’, Napolas,
sind bis heute nicht
in der
öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Napolas waren
Eliteinternate des
Nazi
Regimes, in denen ideologisch bestens geschulte Jugendliche
herangezüchtet
werden sollten.
Berlin im Jahr 1942: Der 17-jährige Arbeitersohn Friedrich
Weimer (Max
Riemelt)
ist ein talentierter Boxer. Sein Werdegang ist vom strengen Vater
bereits
vorgezeichnet. Nach der Schule soll Friedrich in der Fabrik anfangen,
in der
auch sein Vater arbeitet. Für Friedrich, der mit Nazi-Zeug
wenig am Hut
hat,
bedeutet aber der Boxsport alles. Eine unerwartete Chance bietet sich,
als der
Napola-Ausbilder Heinrich Vogler (Devid Striesow) bei einem Boxkampf
auf den Jungen
aufmerksam wird. Vogler will den Jungen sofort für die
Eliteanstalt der
Nazis
verpflichten. Der Vater aber verweigert seine Zustimmung. Friedrich
fälscht die
Unterschrift und verlässt das Elternhaus. Er besteht die
Vermessungen
zur
Rassenzuordnung ebenso wie die Fragen zur nationalsozialistischen
‚Lehre’.
Schnell freundet er sich mit Albrecht (Tom Schilling), dem Sohn des
Gauleiters
Heinrich Stein (Justus von Dohnany) an. Als die Elite-Schüler
ihren
ersten
ernst-haften Einsatzbefehl bekommen, nämlich Jagd auf
entflohene
Kriegsgefangene zu machen, wird Friedrich vor eine schwere Entscheidung
gestellt.
Jungregisseur Dennis Gansel setzt in seinem unaufgeregten, erstaunlich
stilsicheren Film auf einen Stoff jenseits der
‚bewältigten’
Geschichte. Bei
ihm sind es nicht die ‚großen’
Persönlichkeiten, die Geschichte
lebendig werden
lassen, sondern die Figur eines Heranwachsenden, dessen
selbsterfinderischer
Wunsch ausgerechnet in einer Kaderschmiede des Führers Gestalt
anzunehmen
beginnt. Kann Friedrich loslassen und wenn ja, um welchen Preis?
14+:#4 (Mai 2006)
Rolltreppe abwärts (Dustin Loose)
Deutschland
2005, 79
Min.
Jochen (Timo Rüggeberg) ist 13 Jahre alt, er hat keine Freunde
und der
neue
Lebensgefährte seiner berufstätigen Mutter vermag der
Familie keinen
Halt zu
geben, kurz: die familiäre Situation ist zum Davonlaufen.
Aus Langeweile beginnt Jochen zu klauen. Schnell gesellt sich
Mitschüler Alex
(Julius Kötting) zu den immer dreister werdenden Diebestouren
durch die
Kaufhäuser. Unter dem Einfluss von Alex wird Jochen immer
wagemutiger,
bis er
eines Tages beim Diebstahl eines NP3-Players erwischt wird. Als er
seinen
vermeintlichen Freund mit einer Flasche niederschlägt, bleibt
seiner
Mutter
nichts anderes mehr übrig, als Jochens Unterbringung in einer
Füsorgeanstalt
zuzustimmen.
Dort herrscht der Erzieher Hamel, streng, unerbittlich und
willkürlich.
Der
Schutzbefohlene behandelt die Jugendlichen wie Dreck. Einzig die
Krankenschwester Maria (Giselheid Hönsch) ist
vertrauenswürdig. Als
Jochen
dabei erwischt wird, wie er aus reinem Übermut ein Hundewelpe
entführt,
wird
seine Situation vollends unerträglich. Er haut ab und landet
auf der
Straße.
Die Rolltreppen, auf denen er so gerne fuhr, führen alle
unweigerlich
nach
unten.
Der Film eines Jugendlichen über einen Jugendlichen ist
keineswegs
technisch
perfekt. Das würde ohnehin niemand erwarten und - bei dieser
Thematik -
auch
niemand wollen. Stattdessen entwickelt der Film (nach einer gewissen
Gewöhnungsphase) eine Sogwirkung der Lebensnähe, in
der die Lebensweise
und die
Lebenssituation des Protagonisten nachvollziehbar werden und diese
Nachvollziehbarkeit für uns als Zuschauer verletzend und
verstörend
wirkt.
Die Kino-zeit schreibt: „Ein äußerst
empfehlenswerter Film für
Jugendliche und
vielleicht ein erster Schritt hin zu der Erkenntnis, dass eine
Integration des
Mediums Film in den Lehrplan - im Verbund mit anderen Medien -
längst
überfällig ist. Denn das Beispiel von Rolltreppe
abwärts macht Mut,
dass durch
eine solche Maßnahme auch praktische Projekte besser
gefördert werden
könnten.“
14+: #3
Populärmusik aus Vittula (Reza Bagher)
Schweden/Finnland
2004; 90 Min.
Matti und sein schweigsamer Kumpel Niila wachsen in dem kinderreichen
Viertel
Vittula in Pajala im Tornedal auf, einer weltvergessenen Gegend. Es
sind die
1960er-Jahre: die Wege werden asphaltiert, kleinere Bauernhöfe
stillgelegt und
der Rock’n’Roll erscheint auf der
Bildfläche.
Während die älteren Generationen harten Widerstand
gegen alles
Neumodische
leisten, träumen Matti und seine Kumpels von einem anderen
Leben. Doch
noch
sind sie zu jung ihre eigenen Wege zu gehen und müssen sich
mit den
langen
dunklen Wintern, den kurzen hellen Sommern und der kargen Landschaft
mit seinen
spröden aber irgendwie liebenswerten Bewohnern arrangieren. So
erleben
sie
skurrile Abenteuer mit 184 Ratten, Saufgelagen und religiösen
Moralaposteln…
Mit Hilfe des Rock’n’Roll träumen sich
Matti und Niila jedoch in eine
glamourösere Welt irgendwo in Süd-Schweden oder gar
in Stockholm oder
London …
Musik jedoch ist geradezu der Inbegriff von knapsu, das Synonym
für
alles
Unmännliche und Verweichlichte - jedenfalls wenn sie in
nüchternem
Zustand
gespielt wird. Aber Matti und Niila lassen sich nicht beirren. Mit dem
neuen
Musiklehrer Greger kommt die lange ersehnte Chance: die erste Rockband
Pajalas
wird gegründet. Matti und Niila sind wild entschlossen, sich
diese
Chance nicht
entgehen zu lassen - den Hänseleien der Schulkameraden und der
Prügel
von
Niilas Vater gerade zum Trotz.
14+: #2
The
Commitments (Alan
Parker)
Irland/GB/USA
1991;
118 Min.
Ende der ‘80er „sind die Iren“, so Jimmy
Rabbitte, der sich auf einmal
in der
Rolle des Managers einer sich neu formierenden Band sieht,
„die
Schwarzen
Europas“. Und die Dubliner sind die Schwarzen Irlands. Und
die Bewohner
seines
Stadtteils sind die Schwarzen von Dublin.
„Have you got
soul? If so, the
world’s hardest working band is looking for you...“
steht in der
Anzeige, die
Jimmy in die Zeitung setzt. Er will den Soul nach Dublin
bringen. Nur
dumm, dass seine Musiker zunächst vom Soul nicht die geringste
Ahnung
haben.
Jimmys Casting spiegelt das Dublin Ende der 80er wieder: Jeder, egal ob
er kann
oder nicht, möchte mitmachen - selbst sein Vater (Colm Meaney)
wird
nicht müde,
Kostproben seines Talents abzugeben. Doch dann begegnet ihm Joey Fagan,
der
erzählt, er habe schon bei Elvis, Otis Redding und den Beatles
Trompete
gespielt. Joey könnte gut und gern der Grossvater der meisten
Bandmitglieder
sein. Angeführt von Jimmy und dem beinahe 50-jährigen
Soul-Veteranen
beginnt
der Kampf um Soundanlagen, Proberäume und
schließlich um erste
Auftritte. Die
meiste Kraft kostet es Jimmy aber, die verschiedenen Temperamente der
Bandmitglieder im Zaum zu halten. Als endlich der musikalische
Durchbruch
gelingt und sie sogar die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit
dem
Band-Idol
Wilson Pickett aufzutreten, bricht die Band im Streit auseinander.
Mit viel warmherzigen Humor und mit der mitreißenden Musik
alter
Motown-Hits
zeigt Regisseur Alan Parker den Aufstieg und Fall einer Band in einer
Zeit des
Aufbruchs, den Widerstreit von jugendlicher Gruppendynamik und
ausgelebter
Individualität und Selbstzweifel. Mit The Commitments hat Alan
Parker
(nach The
Wall in den 80er Jahren) einen der besten Musikfilme der 90er Jahre
geschaffen.
Musik und das finden einer Identität spielt auch im
nächsten Film von
14+ eine
entscheidende Rolle.
14+: #1
Evil (Oondskan) (Mikael Håfström)
Schweden 2003; 114 Min.
Schweden in den 50er Jahren. „Es gibt nur ein Wort
für jemanden wie
dich:
Bosheit! Bosheit in seiner reinsten Form!“ Mit diesen Worten
wird der
16-jährige Erik aus der Schule geschmissen. Erik hat einen
Mitschüler
auf dem
Schulhof krankenhausreif geschlagen. Erik prügelt - und wird
geprügelt.
Jeden
Abend kommt es zu einer „Unterredung“ mit dem
tyrannischen Stiefvater.
Seine Mutter schaut weg, hält jedoch fest zu ihm. Sie verkauft
die
letzten
Familienerbstücke und schickt Erik in ein Elite-Internat. Es
ist seine
letzte
Chance und Erik ist fest entschlossen, sie zu nutzen.
Aber auch in Stjärnsberg, wo hauptsächlich
Adelssprösslinge und Söhne
der
Besserverdienenden eingeschult sind, ist Gewalt und
Unterdrückung an
der
Tagesordnung. Dort wird der Tagesablauf weniger vom Unterricht
bestimmt, als
von den sadistischen Machtspielen der Oberstufenschüler. Da
das
Schulgeld teuer
ist, schauen die Lehrer weg.
Erik lässt alle Drangsalierungen der Primaner über
sich ergehen, doch
er beugt
sich nicht. Je stärker er sich - intelligent und gewaltlos -
zur Wehr
setzt,
desto brutaler wird ihm und seiner schwachen Seite, seinem
besten
Freund
Pierre, mitgespielt. Erik weiß, dass er, wenn er
zurückschlägt, von der
Schule
fliegt und wenn er nichts unternimmt, die körperlichen
Züchtigungen und
Erniedrigungen gegenüber den Schwächeren andauern.
Als ihm durch eine
Intrige
neuerlich der Verweis von der Schule droht, entschließt er
sich,
abzurechnen.
Ondskan ist die Verfilmung des biographischen Erfolgsromans von Jan
Guillou,
einem der erfolgreichsten und umstrittensten Autoren Schwedens.
Umstritten
bleibt jedoch die Frage, ob Gewalt ein legitimes Mittel zur
Bekämpfung
von
Gewalt ist oder ob es so etwas wie intelligente Gewalt gibt. 2004 wurde
Oondskan für den OSCAR als bester fremdsprachiger Film
nominiert.