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14+
zuletzt aktualisiert : 12.05.2010 17:23:45 (27481 gelesen)
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PEGASUS PRÄSENTIERT: 14+: Lebensstile und Lebenswelten



Pegasus ist ein Jugendfilmclub, der an das Kommunale Kino Konstanz (Zebra-Kino) angeschlossen ist. Wie für das Zebra-Kino insgesamt, gilt auch hier, dass jeder, der Lust auf Kino und Interesse am Film hat, mitmachen kann.
Pegasus hat im Zebra die Aufgabe übernommen, ein eigenständiges Kino-Programm für Kinder und Heranwachsende zu gestalten. Dafür stehen immer der zweite Sonntag im Monat (für 14+) und der vierte Sonntag (für den Kinderfilm) zur Verfügung.


14+: Lebensstile und Lebenswelten


ist eine neue Film-Reihe, die Weichenstellungen im Leben von Jugendlichen und jungen Erwachsenen thematisiert. Obwohl teenager für die Filmindustrie die wichtigste Zielgruppe sind, gibt es verhältnismäßig wenige Filme, die ein spezielles Augenmerk auf diese Gruppe richten.
Für viele Jugendliche ist die Kindheit bereits vorbei, bevor sie auch nur annähernd die Volljährigkeit erreicht haben. Für andere hält das Leben Konflikte bereit, die ihren Mitmenschen verborgen bleiben. Oftmals schauen diese einfach nur weg. Wieder andere leben gefangen in kulturellen Konventionen.
In den Filmen, die hier gezeigt werden, kollidiert der Entwurf des eigenen Lebens mit all seinen Träumen, Wünschen und Ideen mit Widerständen, die die Lebenswelt in Form von Gewalt, Ignoranz oder Ungerechtigkeit bereithält. Aber auch mit Armut, Überforderung, falschen Freunden, leeren Versprechungen und nicht zu vergessen den Versuchungen des Lebens. Wenn in vielen Fällen die Träume und Visionen, die unweigerlich zur Jugend gehören, auf der Strecke bleiben, nehmen unsere ‚jungen Helden’ das nicht kampflos hin und nicht immer sind sie dabei nur die Opfer.
Die Reihe 14+ ist ein offenes Konzept, in dem die Filme so flexibel wie möglich und unter Berücksichtigung von Vorschlägen von außen beschlossen werden. Die Reihe startet am 12. Februar mit Evil (Ondskan) von Mikael Hafström.
Wir bieten Ihnen an, falls die Filme für sie von Interesse sein sollten, dass sie mit dem Zebra-Kino Sondervorstellungen für Schüler vereinbaren können. Für alle Filme dieser Reihe beträgt der Eintritt 2 Euro für Jugendliche, 3 Euro für Erwachsene.




Am Ende kommen Touristen

D 2007; 85 MIN; REGIE: ROBERT THALHEIM; MIT: ALEXANDER FEHLING, RYSZARD RONCZEWSKI U.A.; FSK: OHNE ALTERSBESCHRÄNKUNG; PRÄDIKAT »BESONDERS WERTVOLL«

Zivildienst in einer Begegnungsstätte in Polen? Das stand auf Svens Wunschliste nicht ganz oben – war aber die einzig freie Stelle, die er noch bekommen konnte. In Oswiecim, dem Ort, der unter seinem deutschen Namen Auschwitz traurige Berühmtheit erlangte, soll sich Sven um den eigenwilligen KZ-Überlebenden Krzeminski kümmern.
Als Sven auf die polnische Dolmetscherin Ania trifft und sich in sie verliebt, lernt er ein
Leben jenseits der Begegnungsstätte kennen. Aber wie sieht ein normales Leben an einem Ort aus, an dem nichts normal ist? Wo Fettnäpfchen, Vorurteile und Tabus auf der einen Seite und Gedenkstätten-Tourismus auf der anderen Seite lauern? Als Ania sich für ein Stipendium in Brüssel bewirbt, beschließt Sven alles hinzuschmeißen.
Mit gepackten Koffern steht er am Bahnhof. Doch am Ende kommen Touristen, wie jeden Tag, und Sven muss sich entscheiden.

Mit Am Ende kommen Touristen ist Regisseur Robert Thalheim ein einfühlsamer Film über das Leben zwischen Zukunftsträumen und der Konfrontation mit der Geschichte gelungen. Mit einem sicheren Gespür für menschliche Sehnsüchte und Ängste, erzählt er eine Liebesgeschichte aus dem neuen Europa. (bk)

Spieltermin: 31. Januar 2010



Knallhart


Deutschland 2004; 99 Min.; Regie: Detlev Buck; Buch: Zoran Drvenkar, Gregor Tessnow nach dem gleichnamigen Jugendoman von Gregor Tessnow; D: David Kroß, Jenny Elvers Elbertzhagen, Jan Henrik Stahlberg, Erhan Emre

FSK: ab 12, FBW: „besonders wertvoll“

Für den 15-jährigen Michael ist das schöne Leben in der Villa im Berliner Stadtteil Zehlendorf vorbei. Der neureiche Dr. Peters (Jan Henrik Stahlberg) hat genug von seiner Geliebten (Jenny Elvers-Elbertzhagen) und setzt sie zusammen mit ihrem Sohn vor die Tür. Eine neue Wohnung, ein neuer Stadtteil: Neukölln, sozialer Brennpunkt, hohe (Jugend-)Kriminalität.

Prompt gerät Michael, Polischka genannt, an die falschen Leute. Er wird von Erol und seiner Gang brutal zur Zahlung von Schutzgeld gezwungen. Um dieses aufzutreiben, bricht Polischka mit zwei Freunden in die ihm vertraute Villa in Zehlendorf ein. Beim Verkauf der Beute trifft er den Drogendealer Hamal, der so etwas wie ‚der Pate’ des Viertels ist. Hamal ist fasziniert von der vertrauens-erweckenden, unschuldigen Art des Jungen und stellt ihn als Drogenkurier ein, mit dem Effekt, dass Polischka nun vor Erol sicher ist.

„Knallhart“ sein meint auf der Straße überleben, immer in Bewegung sein, unter Druck schneller als die anderen zu reagieren, am besten automatisch, ohne überhaupt nachdenken zu müssen. Was der Film von dem Jugendlichen als lebensnotwendige Aufgabe verlangt, verlangt er auch vom Zuschauer. Ab einem gewissen Punkt entfaltet der Film eine Sogwirkung und ein Tempo, in dem uns Polischkas ‚Härte’ voraus ist. Die Frage, was denn nun das beste wäre, wird von den Ereignissen überrollt. Keine Zeit innezuhalten. Uns so kommt es, wie es kommen muss. Aber das wird hier nicht verraten.

Knallhart erhielt bei der Verleihung des deutschen Filmpreises 2005 die silberne Lola, die goldene Lola für den besten Schnitt und für die beste Musik. (peg)

Sonntag, 14. Oktober, 17.00 Uhr

Eintritt für Schüler: 2 Euro, für Erwachsene: 4 Euro



Thirteen (DF)

USA 2003, 100 Min.

Regie und Buch: Catherine Hardwicke; mit: Holly Hunter, Evan Rachel Wood, Nikki Reed u.a.

FSK: ab 12; besonders wertvoll

Tracy Freeland (Evan Rachel Wood) ist 13 und eigentlich ein ganz glückliches junges Mädchen. Ihre Mutter (Holly Hunter) liebt sie, in der Schule gilt wird sie als klug und wird von ihren Lehreren geschätzt. Mit dem Beginn der Junior High wird sich alles ändern. Das smarte, noch kindlich wirkende Mädchen empfindet sich als braven Streber und will viel lieber als cool, sexy und furchtlos wahrgenommen werden. So wie Evie (Nikki Reed), das gleichaltrige, aber viel erfahrenere, von den Jungs umschwärmte Supergirl der Schule. Um sie und ihre In-Clique zu beeindrucken, stylt sich Tracy um und beschert Evie durch gestohlene Kreditkarten einen traumhaften Shopping-Tag. Fasziniert ahmt Tracy nach, was ihr Vorbild ihr vorlebt. Durch Evie entdeckt sie Drogen, den Reiz von Piercings, die Macht über Jungs und schließlich das Geheimnis des Sex.

Tracy verliert immer mehr den Bezug zur Realität. Sie rutscht ab, wird schlechter in der Schule und entfremdet sich rasend von ihrer natürlichen Umwelt. Für Tracy wird das Erwachsenwerden zur schmerzlichen Erfahrung, die bei ihr durch Evies Einfluss zur Selbstzerstörung führen wird, wenn niemand sie aufhält…

Das Regiedebüt von Catherine Hardwicke ist ein Coming-Of-Age-Drama fernab der Gelacktheit der Hollywood- oder Fernsehfamilien. In Thirteen zeichnet die mutige Filmemacherin ein kompromissloses, ehrliches Porträt über die Jugend, die sich dem Erwachsenenwerden stellt. Was wie ein Spiel beginnt, beginnt schnell auszuarten, führt zum Verlust jeglicher Kontrolle. Exzellent spielend überzeugt das junge Duo Evan Rachel Wood und Niki Reed durch schonungslos offene Darstellungen. Reed schrieb übrigens auch am Drehbuch von Hardwicke mit, was dem Drama zusätzliche Authentizität verleiht.

sl

Sonntag, 23. September, 17.00 Uhr

Eintritt für Schüler: 2 Euro, Erwachsene: 4 Euro




14+: #11 (April 2007)

Sommersturm (Marco Kreuzpaintner)

D 2004; 98 Min., FSK: ab 12

Wenn es im Sommer stürmt, ist es windig und warm zugleich. Der Himmel verfärbt sich und ein letzter Moment der Ruhe kündigt den nahenden Sturm an. Danach ist die Welt klar und rein. Der Film, um den es sich hier handelt, ist kein Film über Klimaerwärmung oder Flutwellen, vielmehr geht es um einen ‚emotionalen’ Sturm. Ein Sommersturm führt zu einem Bekenntnis, das das Leben von Tobi (Robert Stadlober) von Grund auf verändert.

Tobi fährt mit seiner Rudermannschaft ins Zeltlager. Dort bereitet sich das Team auf einen großen Wettkampf vor. Doch es geht nicht nur ums Rudern. Achim (Kostja Ullmann), Tobis bester Freund, hat nur noch Augen für Sandra, während Anke (Alicja Bachleda-Curus) Tobi ihre Liebe gesteht. Der nachdenkliche Aussenseiter fühlt sich eigentlich mehr zu Achim hingezogen und ist emotional mit dem Liebesgeständnis des hübschen Mädchens vollkommen überfordert.

Im Ruderlager angekommen stellt sich heraus, dass statt einer Berliner Mädchenmannschaft nun die ‚Queerschläger’ antreten, eine Mannschaft, die – wie der Name sagt – aus Schwulen besteht. Die unerwarteten Gegner sorgen nun vollends dafür, dass Tobi seine Orientierung verliert. Am Abend vor dem Wettkampf mit den Jungs vom anderen Ufer zieht ein Sturm auf.

Sommersturm findet die Balance zwischen Tragik und Komik, zwischen großen Gefühlen und kleinen, lustigen Alltagsbegebenheiten. Und er schafft es, mit wunderschönen Bildern ein wichtiges Thema in einer unterhaltenden, berührenden Geschichte zu erzählen.“ (Jana Schäfer, www.fluter.de) peg


14+: #10 (März 2007)

My summer of Love (GB 2004; 86 Min.)

 

Regie:Pawel Pawlikowski; nach dem Roman „My summer of Love“ von Helen Cross; mit: Natalie Press, Emely Blunt, Paddy Considine, u.a.

Yorkshine, in einem heißen Sommer rollt Mona mit ihrem Mofa über eine Landstraße. Dort trifft sie auf Tamsin, die auf ihrem Schimmel ausreitet. Die beiden gleichaltrigen Mädchen stammen jedoch aus zwei verschiedenen Welten. Mona ist seit dem Krebstod ihrer Mutter Weise, ihrem Vater ist sie noch nie begegnet. Sie lebt mit ihrem älteren Bruder Phil in einem örtlichen Pub. Doch sie fürchtet, auch ihn verloren zu haben. Tamsin ist eine wohlerzogene Tochter aus gutem Hause. So unterschiedlich die beiden Mädchen jedoch sind, so spüren sie auch eine Art Seelenverwandtschaft. Die beiden kommen sich emotional und schließlich auch körperlich näher. Sie schwören, die andere nie zu verlassen. Doch dann enttäuscht Tamsin Mona schwer.
My Summer of Love ist ein „brilliant fotografiertes, hervorragend gespieltes Jugenddrama, das die Protagonistinnen auf der Suche nach Wahrheit, Orientierung und Halt zeigt. Eine wehmütige Ode an den Schmerz der ersten Liebe.“

(Alexandra Wach, film-dienst 13/2005) (ih)


14+: #9 (Dezember 2006)

Crazy (Hans-Christian Schmid)

Deutschland 2000; 97 Min.

Der halbseitig gelähmte Benjamin (Robert Stadlober) hat nur noch eine Chance, die Versetzung in die nächste Klasse zu schaffen. Dazu wird er von seinen Eltern auf das renommierte Internat Neubauern geschickt. Zum ersten Mal ist er von zuhause weg und muss sein Leben selbst organisieren. Er fühlt sich zunächst alleine und ausgestoßen. Doch trotz seiner körperlichen Behinderung wird er von der Clique seines Zimmernachbarn Janosch aufgenommen. Bald schon ist die Schule nur noch Nebensache. Pubertäre Eskapaden und die Frage nach einem Platz im Leben wechseln sich ab. Die Jungen unternehmen nächtliche Ausflüge, gehen heimlich in ein Striplokal, feiern Partys, treffen sich mit Mädchen und diskutieren über den Sinn des Lebens.

Doch dann verlieben sich Benni, der Behinderte, und Janosch, der Anführer, in dasselbe Mädchen. Mit allen Mitteln versuchen sie, die Aufmerksamkeit der bezaubernden Malen zu erringen und buhlen ohne Rücksicht auf ihre Freundschaft um die Gunst des hübschen Mädchens.

Der 17-jährige Benjamin Lebert beschrieb seine persönlichen Eindrücke des ‚Erwachsenwerdens’ in Crazy, einem Buch, das für beträchtliches Aufsehen in der Literaturszene sorgte und gleich in 33 verschiedene Sprachen übersetzt wurde. Regisseur Hans-Christian Schmid adaptierte den Roman nur wenige Monate nach dessen Erscheinen an den Originalschauplätzen. Schmid hatte schon mit „Nach fünf im Urwald“ und „23“ ein gutes Gespür für anspruchsvolles Jugendkino bewiesen. Mit seinem dritten Kinofilm geht er diesen Weg konsequent weiter und wird ihn später mit „Requiem“ noch einen Schritt weiter gehen.

Der Regisseur sagt selbst: "Crazy ist eine Geschichte über die Melancholie und die gleichzeitige Komik des Erwachsenwerdens. Eine Geschichte über die Anstrengungen, die Benjamin unternimmt, um einen Platz im Leben zu finden. Über Enttäuschungen und Rückschläge, aber auch über den Spaß, den er dabei mit seinen Freunden hat."

 

14+: #8 (November 2006)

Hwal - Der Bogen (Kim Ki-Duk)

Korea 2005; 90 Min.; OmU

Korea, der Zivilisation den Rücken gekehrt, lebt ein alter Fischer (Seong-hwang Jeong) und ein junges Mädchen (Yeo-reum Han) auf einem Boot. Sie hat das Boot seit zehn Jahren nicht mehr verlassen. Im frühen Kindesalter hatte der Alte das Mädchen entführt und an ihrem 17. Geburtstag will er sie zur Frau nehmen. Bis dahin sind es nur noch wenige Monate.

Das Mädchen vertraut ihm, fühlt sich geborgen und ist naiv-glücklich in der kargen Welt, die der alte Mann für sie geschaffen hat. Um Geld zu verdienen, wird das Boot an Angler vermietet. Diese zeigen des öfteren unverblümtes Interesse an dem Mädchen, doch Pfeil und Bogen und der meisterhafte Umgang des Alten damit schrecken jeden Verführer ab.

Die gemeinsame Einsamkeit hat ein Ende, als unvermittelt ein Student in die Harmonie von erschaffener Welt, Meer und Musik einbricht. Das Mädchen fasst immer mehr Zuneigung zu dem jungen Mann und ihre Neugierde wird geweckt. Das durchkreuzt die Pläne des Alten und die ohnehin beklemmende Situation draußen auf dem Meer beginnt zu eskalieren.

„Der Bogen“ ist ein Film über Liebe und Schuld, über Macht und Ohnmacht zwischen glückseliger Einsamkeit und erzwungener Liebe. Der Ziehvater ist zugleich Peiniger. Der Liebhaber, der sie retten will, zerstört das Märchen, das alles ist, was sie hat. Während dessen wird das Mädchen vom Geschöpf zum Ich. Schmerzhaft und schön bringt Kim Ki-Duk diesen Prozess auf die Leinwand. Entschieden setzt der Regisseur auf eine einfache, bildgewaltige Filmsprache mit stark reduzierter Narration. Fürsorge und Gewalt lösen sich schlussendlich ins Mythische auf.

 

14+: #7 (Oktober 2006)

Maria voll der Gnade (Maria, Ilena eres de gracia, Joshua Marston)

Kolumbien/USA 2003; 101 Min.; DF

Der südamerikanische Drogenmarkt war zuletzt des öfteren Schauplatz für imposante Filme (wie Steven Soderberghs Episodendrama Traffic). Doch werden meist die Drahtzieher in einer gewissen Schwarz-Weiss-Malerei in den Vordergrund gestellt. In diesem Film liegt der Schwerpunkt auf einer jungen Frau, die am Ende der ‚Arbeitskette’ steht, auf einem ganz gewöhnlichen Mädchen, das Drogen von Kolumbien in die USA schmuggelt.

Die siebzehnjährige Maria (Catalina Sandino Moreno) arbeitet Tag für Tag für einen Hungerleiderlohn in einer Blumenfabrik. Als sie von ihrem Freund Juan, den sie nicht liebt, schwanger wird, stürzt sie in eine schwere Krise. Auf einem Dorffest lernt sie den aus ihrer Sicht ungemein coolen Franklin kennen. Dieser nimmt sie mit nach Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens, und macht sie mit dem Drogenboss Javier bekannt. Der agiert mit väterlicher Freundlichkeit und gewinnt trotz Marias Bedenken ihr Vertrauen. Das Vertrauen und die Chance schnell viel Geld zu verdienen bringt sie dazu, als ‚Maulesel’ für Javier zu arbeiten. Ein ‚Maulesel’ (oder auch ‚Schlucker’) ist ein Drogenkurier, der die Ware in Kapseln verpackt in seinem eigenen Körper schmuggelt. Eine solche Kapsel enthält rund zehn Gramm Heroin oder Kokain. Ein durchschnittlicher Kurier schluckt dabei rund 80 bis 125 Kapseln und verdient mit einer Reise zwischen 5.000 und 8.000 Dollar, das mehrfache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens in Kolumbien. So nutzen die Drahtzieher im Hintergrund die Notlage mittelloser Menschen aus und bleiben selbst anonym. Die Reise wird zu einer leidenschaftlichen Erfahrung für Maria - aber auch zur Herausforderung, ein neues Leben zu beginnen.

 

14+: #5 (Juni 2006)

Napola - Elite für den Führer (Dennis Gansel)

Deutschland 2005; 110 Min.

‚Nationalpolitische Erziehungsanstalten’, Napolas, sind bis heute nicht in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Napolas waren Eliteinternate des Nazi Regimes, in denen ideologisch bestens geschulte Jugendliche herangezüchtet werden sollten.
Berlin im Jahr 1942: Der 17-jährige Arbeitersohn Friedrich Weimer (Max Riemelt) ist ein talentierter Boxer. Sein Werdegang ist vom strengen Vater bereits vorgezeichnet. Nach der Schule soll Friedrich in der Fabrik anfangen, in der auch sein Vater arbeitet. Für Friedrich, der mit Nazi-Zeug wenig am Hut hat, bedeutet aber der Boxsport alles. Eine unerwartete Chance bietet sich, als der Napola-Ausbilder Heinrich Vogler (Devid Striesow) bei einem Boxkampf auf den Jungen aufmerksam wird. Vogler will den Jungen sofort für die Eliteanstalt der Nazis verpflichten. Der Vater aber verweigert seine Zustimmung. Friedrich fälscht die Unterschrift und verlässt das Elternhaus. Er besteht die Vermessungen zur Rassenzuordnung ebenso wie die Fragen zur nationalsozialistischen ‚Lehre’. Schnell freundet er sich mit Albrecht (Tom Schilling), dem Sohn des Gauleiters Heinrich Stein (Justus von Dohnany) an. Als die Elite-Schüler ihren ersten ernst-haften Einsatzbefehl bekommen, nämlich Jagd auf entflohene Kriegsgefangene zu machen, wird Friedrich vor eine schwere Entscheidung gestellt.
Jungregisseur Dennis Gansel setzt in seinem unaufgeregten, erstaunlich stilsicheren Film auf einen Stoff jenseits der ‚bewältigten’ Geschichte. Bei ihm sind es nicht die ‚großen’ Persönlichkeiten, die Geschichte lebendig werden lassen, sondern die Figur eines Heranwachsenden, dessen selbsterfinderischer Wunsch ausgerechnet in einer Kaderschmiede des Führers Gestalt anzunehmen beginnt. Kann Friedrich loslassen und wenn ja, um welchen Preis?

14+:#4 (Mai 2006)

Rolltreppe abwärts (Dustin Loose)

Deutschland 2005, 79 Min.

Jochen (Timo Rüggeberg) ist 13 Jahre alt, er hat keine Freunde und der neue Lebensgefährte seiner berufstätigen Mutter vermag der Familie keinen Halt zu geben, kurz: die familiäre Situation ist zum Davonlaufen.
Aus Langeweile beginnt Jochen zu klauen. Schnell gesellt sich Mitschüler Alex (Julius Kötting) zu den immer dreister werdenden Diebestouren durch die Kaufhäuser. Unter dem Einfluss von Alex wird Jochen immer wagemutiger, bis er eines Tages beim Diebstahl eines NP3-Players erwischt wird. Als er seinen vermeintlichen Freund mit einer Flasche niederschlägt, bleibt seiner Mutter nichts anderes mehr übrig, als Jochens Unterbringung in einer Füsorgeanstalt zuzustimmen.
Dort herrscht der Erzieher Hamel, streng, unerbittlich und willkürlich. Der Schutzbefohlene behandelt die Jugendlichen wie Dreck. Einzig die Krankenschwester Maria (Giselheid Hönsch) ist vertrauenswürdig. Als Jochen dabei erwischt wird, wie er aus reinem Übermut ein Hundewelpe entführt, wird seine Situation vollends unerträglich. Er haut ab und landet auf der Straße. Die Rolltreppen, auf denen er so gerne fuhr, führen alle unweigerlich nach unten.
Der Film eines Jugendlichen über einen Jugendlichen ist keineswegs technisch perfekt. Das würde ohnehin niemand erwarten und - bei dieser Thematik - auch niemand wollen. Stattdessen entwickelt der Film (nach einer gewissen Gewöhnungsphase) eine Sogwirkung der Lebensnähe, in der die Lebensweise und die Lebenssituation des Protagonisten nachvollziehbar werden und diese Nachvollziehbarkeit für uns als Zuschauer verletzend und verstörend wirkt.
Die Kino-zeit schreibt: „Ein äußerst empfehlenswerter Film für Jugendliche und vielleicht ein erster Schritt hin zu der Erkenntnis, dass eine Integration des Mediums Film in den Lehrplan - im Verbund mit anderen Medien - längst überfällig ist. Denn das Beispiel von Rolltreppe abwärts macht Mut, dass durch eine solche Maßnahme auch praktische Projekte besser gefördert werden könnten.“

14+: #3

Populärmusik aus Vittula (Reza Bagher)

Schweden/Finnland 2004; 90 Min.


Matti und sein schweigsamer Kumpel Niila wachsen in dem kinderreichen Viertel Vittula in Pajala im Tornedal auf, einer weltvergessenen Gegend. Es sind die 1960er-Jahre: die Wege werden asphaltiert, kleinere Bauernhöfe stillgelegt und der Rock’n’Roll erscheint auf der Bildfläche.
 
Während die älteren Generationen harten Widerstand gegen alles Neumodische leisten, träumen Matti und seine Kumpels von einem anderen Leben. Doch noch sind sie zu jung ihre eigenen Wege zu gehen und müssen sich mit den langen dunklen Wintern, den kurzen hellen Sommern und der kargen Landschaft mit seinen spröden aber irgendwie liebenswerten Bewohnern arrangieren. So erleben sie skurrile Abenteuer mit 184 Ratten, Saufgelagen und religiösen Moralaposteln…
Mit Hilfe des Rock’n’Roll träumen sich Matti und Niila jedoch in eine glamourösere Welt irgendwo in Süd-Schweden oder gar in Stockholm oder London … Musik jedoch ist geradezu der Inbegriff von knapsu, das Synonym für alles Unmännliche und Verweichlichte - jedenfalls wenn sie in nüchternem Zustand gespielt wird. Aber Matti und Niila lassen sich nicht beirren. Mit dem neuen Musiklehrer Greger kommt die lange ersehnte Chance: die erste Rockband Pajalas wird gegründet. Matti und Niila sind wild entschlossen, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen - den Hänseleien der Schulkameraden und der Prügel von Niilas Vater gerade zum Trotz.

14+: #2

The Commitments (Alan Parker)

Irland/GB/USA 1991; 118 Min.

 
Ende der ‘80er „sind die Iren“, so Jimmy Rabbitte, der sich auf einmal in der Rolle des Managers einer sich neu formierenden Band sieht, „die Schwarzen Europas“. Und die Dubliner sind die Schwarzen Irlands. Und die Bewohner seines Stadtteils sind die Schwarzen von Dublin.
„Have you got soul? If so, the world’s hardest working band is looking for you...“ steht in der Anzeige, die Jimmy in die Zeitung setzt. Er will den Soul nach Dublin bringen. Nur dumm, dass seine Musiker zunächst vom Soul nicht die geringste Ahnung haben. Jimmys Casting spiegelt das Dublin Ende der 80er wieder: Jeder, egal ob er kann oder nicht, möchte mitmachen - selbst sein Vater (Colm Meaney) wird nicht müde, Kostproben seines Talents abzugeben. Doch dann begegnet ihm Joey Fagan, der erzählt, er habe schon bei Elvis, Otis Redding und den Beatles Trompete gespielt. Joey könnte gut und gern der Grossvater der meisten Bandmitglieder sein. Angeführt von Jimmy und dem beinahe 50-jährigen Soul-Veteranen beginnt der Kampf um Soundanlagen, Proberäume und schließlich um erste Auftritte. Die meiste Kraft kostet es Jimmy aber, die verschiedenen Temperamente der Bandmitglieder im Zaum zu halten. Als endlich der musikalische Durchbruch gelingt und sie sogar die Möglichkeit bekommen, gemeinsam mit dem Band-Idol Wilson Pickett aufzutreten, bricht die Band im Streit auseinander.
Mit viel warmherzigen Humor und mit der mitreißenden Musik alter Motown-Hits zeigt Regisseur Alan Parker den Aufstieg und Fall einer Band in einer Zeit des Aufbruchs, den Widerstreit von jugendlicher Gruppendynamik und ausgelebter Individualität und Selbstzweifel. Mit The Commitments hat Alan Parker (nach The Wall in den 80er Jahren) einen der besten Musikfilme der 90er Jahre geschaffen. Musik und das finden einer Identität spielt auch im nächsten Film von 14+ eine entscheidende Rolle.

14+: #1

Evil (Oondskan) (Mikael Håfström)

Schweden 2003; 114 Min.

Schweden in den 50er Jahren. „Es gibt nur ein Wort für jemanden wie dich: Bosheit! Bosheit in seiner reinsten Form!“ Mit diesen Worten wird der 16-jährige Erik aus der Schule geschmissen. Erik hat einen Mitschüler auf dem Schulhof krankenhausreif geschlagen. Erik prügelt - und wird geprügelt. Jeden Abend kommt es zu einer „Unterredung“ mit dem tyrannischen Stiefvater.
Seine Mutter schaut weg, hält jedoch fest zu ihm. Sie verkauft die letzten Familienerbstücke und schickt Erik in ein Elite-Internat. Es ist seine letzte Chance und Erik ist fest entschlossen, sie zu nutzen.
Aber auch in Stjärnsberg, wo hauptsächlich Adelssprösslinge und Söhne der Besserverdienenden eingeschult sind, ist Gewalt und Unterdrückung an der Tagesordnung. Dort wird der Tagesablauf weniger vom Unterricht bestimmt, als von den sadistischen Machtspielen der Oberstufenschüler. Da das Schulgeld teuer ist, schauen die Lehrer weg.
Erik lässt alle Drangsalierungen der Primaner über sich ergehen, doch er beugt sich nicht. Je stärker er sich - intelligent und gewaltlos - zur Wehr setzt, desto brutaler  wird ihm und seiner schwachen Seite, seinem besten Freund Pierre, mitgespielt. Erik weiß, dass er, wenn er zurückschlägt, von der Schule fliegt und wenn er nichts unternimmt, die körperlichen Züchtigungen und Erniedrigungen gegenüber den Schwächeren andauern. Als ihm durch eine Intrige neuerlich der Verweis von der Schule droht, entschließt er sich, abzurechnen.
Ondskan ist die Verfilmung des biographischen Erfolgsromans von Jan Guillou, einem der erfolgreichsten und umstrittensten Autoren Schwedens. Umstritten bleibt jedoch die Frage, ob Gewalt ein legitimes Mittel zur Bekämpfung von Gewalt ist oder ob es so etwas wie intelligente Gewalt gibt. 2004 wurde Oondskan für den OSCAR als bester fremdsprachiger Film nominiert. 

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